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Zeit und Verhalten

(Interview)

Steht Ihnen eher viel Zeit zur Verfügung, oder eher wenig?
Wissen Sie, das Eigenartige ist ja, dass jedem Menschen täglich exakt gleich viel Zeit zur Verfügung steht.
Ist das denn so? Manche Menschen leben lang, andere sterben früh.
Soweit einem sein Todesdatum unbekannt ist, misst der Tag eines jeden Menschen exakt die gleiche Zeit, bis auf die Sekunde genau.
Inwiefern verändert sich das durch das Wissen um den Todeszeitpunkt? Wie verhält es sich damit, dass manche Menschen wirklich um viele Jahre länger leben als andere?
Ich möchte mich korrigieren. Meines Erachtens ändert auch das Wissen um einen bevorstehenden Tod nichts. Zudem erfahren nicht viele Menschen ihr Todesdatum in ihrem Leben.
Natürlich lassen schwere Krankheiten einen baldigen Tod erahnen, Hinrichtungen werden auf ein Datum festgesetzt. Doch der Großteil der Menschen verbringt seine Tage ohne Ahnung, Drohung oder Erfahrung des Todes. Ein Tag ist für alle Menschen gleich lang. Zeit ist absolut gerecht verteilt.
Und doch: Viel beziehungsweise wenig Zeit ist immer relativ vorhanden. Relativ, gemessen an den Dingen, die man vorhat, tun muss, zu tun gedenkt etc. Haben Sie viel Zeit?
Ich denke, ich habe genug Zeit. Obwohl, manchmal ist mir natürlich die Zeit knapp. Aber das ist vollkommen normal, denke ich. Ist es das nicht?
Sehen Sie, unsere Forschung beschäftigt sich unter anderem auch damit: mit der Auffälligkeit, dass es die Menschen als unangenehm empfinden, zu viel Zeit zu haben, das heißt mehr Zeit als sie jeweils benötigen. Je höher der Bildungsstand, umso dramatischer wird es als unangenehm empfunden. Es handelt sich um eine Art Schuldkomplex, der hierdurch ausgelöst wird.
Andererseits leidet der Mensch, wenn er zu wenig Zeit hat. Wenn ihm die Zeit „davonläuft“. Meiner Ansicht nach - aber das ist nicht Gegenstand unserer Forschung und hat auch nicht primär etwas mit unserem Forschungsansatz zu tun - handelt es sich, ist dieses Leiden allzu stark ausgeprägt, um eine Art narzisstischen Masochismus. Aber das ist wie gesagt meine persönliche Einschätzung und nicht Thema unserer Forschung.
Ihre Forschung widmet sich dem subjektiven Zeitempfinden.
Richtig, wir untersuchen das subjektive Zeitempfinden, indem wir es in Beziehung setzen zu der realen Zeit, die ja wie gesagt für jeden Menschen gleich misst. Daraus ermitteln wir einen Maßstab, den wir den „time behavior index“ nennen. Kurz TBI.
Idealerweise liegt der TBI bei 1.0. Liegt der TBI über 1.0, nimmt die sogenannte „leere Zeit“ zu.
Dies geht einher mit der Empfindung der Langeweile, mit dem Gefühl der Überflüssigkeit der
eigenen Person, der Wertlosigkeit, bis hin zu Selbsttötungsabsichten und akuter suizidaler Gefährdung bei einem TBI von 2.0.
Die Stadien die hier durchlaufen werden - und das ist wirklich überraschend - sind bei allen Menschen vergleichbar. Das ist ein eindeutiges Ergebnis unserer Tests.
Wie verhält es sich im umgekehrten Fall?
Ein TBI von 0 bedeutet der maximale Stress, dem ein Mensch ausgesetzt sein kann, unmittelbar vor dem Exitus durch Herzschlag oder ebenfalls Suizid, also die endgültige Beendung der Stresssituation durch Austritt aus dem Leben, durch Herbeiführung des Todes.
Was kann man dagegen unternehmen? Wie soll man sich verhalten?
Nun, wir entwickeln gemeinsam mit der Firma x ein Präparat, bzw. die Entwicklung ist bereits abgeschlossen, wir befinden uns in der Testphase. Ein Mittel, das den Organismus auf einen TBI von 1.0 quasi einpendelt.
Das heißt, es handelt sich um ein identisches Mittel egal, ob der TBI zum Beispiel bei 0.5 oder 1.5 liegt?
Richtig. Das ist ein zentraler Ansatz. Es wird ein einziges Mittel geben: TBI One Strategy. Die Applikation erfolgt in Abhängigkeit des jeweiligen Abweichungsquotienten zum idealen TBI von 1.0 intranasal oder intravenös.
Mit was für gesellschaftlichen Auswirkungen wäre zu rechnen, verfügt der Großteil der Menschheit über einen stabilen TBI von 1.0?
Wie wir in verschiedenen den Bereich der sozialen Konsequenzen betreffenden Studien herausgefunden haben, wird die Welt als ganzes friedvoll werden, liegt der TBI aller Menschen stabil bei 1.0. Die Erde würde, erstmalig in ihrer Geschichte, zu einem Ort des Friedens. Spannungen, Streit und Gewalt ließen sich durchweg eliminieren. Der Zustand der Welt würde demjenigen des Weltfriedens seit Menschengedenken am nächsten kommen, nah wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.
Jedoch formiert sich bereits zu dem jetzigen Zeitpunkt massiver Widerstand gegen TBI One Strategy. Nicht allein im Internet, auch auf Protestmärschen und Demonstrationen. Mahnwachen wurden abgehalten. Die Argumente der Gegner sind vielfältig. Gleichschaltung lautet ein Schlagwort. Das Szenario einer gleichgeschalteten, unterworfenen, gleichsam ruhig gestellten, willenlosen Masse wird entworfen. Das Schreckensbild eines medikamentösen Massendeliriums.
Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Ahnen Sie, wie viele Menschen unter einem unausgewogenen TBI leiden? Nahezu alle Menschen. Nahezu kein Mensch verfügt auch nur für den Zeitraum eines Tages über einen stabilen TBI von 1.0. Die Menschen töten sich selbst und sie töten andere Menschen. Extremwerte von 0.0 und 2.0 lösen massiven Schaden aus. Selbst wenn der TBI selten zu einem dieser Extreme ausschlägt – es genügt doch schon ein einziger Augenblick, um sich selber und anderen Gewalt anzutun.
Unglück und Verzweiflung breiten sich aus und ziehen weitere Extremwerte nach sich. Das ist eine Kettenreaktion. Ist Ihnen überhaupt bewusst, in welchem Ausmaß gemordet und geschändet wird. Und ich frage Sie: Können Sie, möchten Sie das mitverantworten?
TBI One Strategy ist kein Medikament, es ist ein Instrument. Ein gesellschaftliches, wie ein persönliches. Es verändert nicht die Persönlichkeit des Menschen, es verhilft dem Menschen dazu, in seiner Mitte zu ruhen. TBI One Strategy ist ein Heilmittel für unsere Erde. Wir arbeiten bereits jetzt an einer genetischen Codierung, welche das Genmaterial nach einmaliger Injektion verändert und TBI One Strategy vererbbar macht.
Menschen, die Unrecht und Feindschaft säen, die uns mit ihrer Verzweiflung und Gewalt bedrohen, oder, wenn Sie es mich als Wissenschaftler formulieren lassen: Menschen mit einem stark schwankenden TBI, diese Menschen werden aussterben.
Es ist der TBI von 1.0, der seit Jahrtausenden das Überleben der Menschheit garantiert und es weiterhin garantieren wird. Mit TBI One Strategy leisten wir unseren Beitrag.

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