© Ayumi Rahn | ayumi-rahn.de


Der klassischen Befragung am nächsten sind die Texte, die sich direkt auf gesellschaftliche und politische Themen beziehen, wie zum Beispiel Die versäumte Weltreise, ein Interview über die Schwierigkeiten einer „Hinrichtung auf Verlangen“ mit einem Betroffenen. In Die Grenze der Ausdehnung wird ein Archäologe nach neuen Möglichkeiten der Werbung befragt, in Spezialisierte Handgriffe geht es um eine fortschrittliche Allianz der Lebensmittelindustrie mit der Touristikbranche und in Zeit und Verhalten um ein heilversprechendes Mittel der Massenmedikation.

In Heinz und Kunz spricht der Herrscher selbst über die große Verantwortung des „Gesetzeerlassens“ (Gesetze, die Heinz und Kunz zu befolgen haben) und in Der Mond ein kleinwüchsiger Astronaut über weitreichende Verschwörungen eines Großkonzerns.
Monomalls heißen die neuen Projekte eines progressiven Kaufhausbesitzers.

Ein weiteres Thema ist die Selbstreferenzialität der Kommunikation an sich, die sie unmöglich macht, ins Absurde treibt und zum Scheitern verurteilt:
Peinliches Schweigen ist lautlos, dafür umso penetranter: die monologischen Ausschweifungen des verunsicherten Gesprächspartners. Heiße Luft wird für beide Seiten zur Qual. Eine schwere Geburt ist das angemessene Gesprächsthema.

Haltung bewahren heißt es, wenn sich die Kommasetzung zusehends in den Mittelpunkt des Geschehens drängt. 84x1, ein brandneues Tool, macht das Sprechen an sich überflüssig, Das Gerät hingegen verspricht erfolgreiche Kommunikation und zerstört sie eben dadurch.

Einige Texte haben einen performativen Charakter, wie zum Beispiel Etwas Schlimmes, vielleicht mein Lieblingstext, in dem Schreckliches noch unter dessen Eindruck beschrieben wird und der im Rahmen einer polizeilichen Ermittlung stattfinden könnte.
Oder der Text Theater, bei welchem es sich nicht völlig erschließt, ob bloß über Theater geredet oder auch gespielt wird.
Bei Die Matrix ist man hautnah dabei und weiß doch weder wo sich die dramatische Situation abspielt, noch, um was es eigentlich geht: Auf alle Fälle fließt Blut.

In anderen Interviews wird ein Machtgefälle zwischen den Gesprächspartnern auf unangenehme Art deutlich, wie in Schuld durch die Bloßstellung der Unfähigkeit der Schöpfung, in Der Interessenkonflikt durch Einschüchterungstaktik und Bevormundung oder durch das schiere Ausgesetztsein einer subtilen, übernatürlichen Macht, die Zeitreisen erzwingt, in Gute Aussichten.

Es geht um Geschenke und eine großangelegte Theorie des Ärgerns
( Das stille Grollen), um Heuchelei ( Neue Diskurse), um Vergangenheit, Tod und Zugfahren ( Das Gegenteil), schweren Verlust, Schnee, Haustiere ( STILLE).
Und es geht immer um Leben und Text ( Ausschlachtung).



Ayumi Rahn

[ *1980, lebt in Berlin]
www.Ayumi-Rahn.de
ayumirahn@googlemail.com


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