© Ayumi Rahn | ayumi-rahn.de

Der Interessenkonflikt

(Interview)

Diese Naivität!
Naivität?
Diese Frage!
Die Frage?
Nicht so laut. Ihre laute Stimme. Ihre viel zu laute Stimme. Ihre laute, aufgeregte Stimme. Die ertrage ich nicht. Ihre verqueren Fragen, die lasse ich mir nicht gefallen. Bitte lassen Sie das.
Verzeihung.
Überlegen Sie sich das vorher, in welcher Weise Sie mich beanspruchen. Mich, meine Zeit, aus dem heiteren Himmel.
Das wollte ich nicht.
Mitten auf der Straße bringen Sie mich aus dem Takt. Wo ich stehe und anderswo mit den Gedanken bin, falle ich aus den Wolken, damit Sie mich vor den Kopf stoßen?
Aber Sie haben mich doch angesprochen.
Unterlassen Sie das. Diese laute Stimme. Ich zittere am ganzen Körper. Ich halte das nicht aus.
Auf diese Situation war ich nicht vorbereitet. Ich bin aufgeregt.
Erwägen Sie das, bevor Sie die Situation anzetteln, nächstes Mal bitte selbstständig. Gerade in diesem Augenblick ist die Situation ganz und gar unangemessen für eine Diskussion, das müssen Sie doch wissen.
Das war mir nicht bewusst gewesen.
Bitte keine Aufregung. Wenn Sie auf solch eine Art ins Haus fallen, lasse ich mich nicht überrumpeln. Das sehen Sie doch ein.
Ich frage mich nur, warum naiv. Es ist natürlich nicht wichtig. Aufgeregt bin ich, aber geben Sie nichts darauf. Das soll Sie nicht belasten.
Sie sollten sich selbst bewusst sein, was sie tun und lassen. Was Ihnen einfällt, zufällt und wie Sie die Menschen behandeln. Gehen Sie bitte in sich und kapitulieren Sie Ihren Umgang mit mir, wie Sie beinhalten und handhaben.
Dafür möchte ich mich entschuldigen.
Was X betrifft -
X?
X ist vollkommen daneben. X nutzt Ihre Naivität aus, das ist Ihnen doch klar.
Wirklich?
X zieht Sie auf seine Seite.
Meinen Sie?
Alle sind von X genervt. Niemand hält X aus. X redet ununterbrochen, keiner kann das ertragen, niemand hört zu.
Das wusste ich nicht, ich möchte mich nicht einmischen.
Warum verwickeln Sie sich dann in Gespräche von X? Das machen Sie doch vorsätzlich.
Gespräche kann man das nicht nennen. Das war nur beiläufig, ganz lapidar.
X versucht, Sie auf seine Seite zu ziehen. Sie aber haben keine Ahnung, was passiert, und es geht Sie nichts an. Ich verstehe nicht, warum Sie sich mit einem Mal interessieren. Und wofür?
Dazu gibt es Wichtigeres. Und da kommen Sie und quasseln und belasten mich mit Ihren lauten Stimmen, obschon Sie wissen, ich kann das nicht und mag das nicht.

Nüchtern betrachtet haben Sie mich doch angesprochen und das Gespräch -
Zum letzten Mal. Seien Sie nicht laut. Ich lege es Ihnen noch einmal ganz ruhig auseinander und so deutlich, wie es möglich ist: X versucht, Sie auf seine Seite zu ziehen. Und ich bitte Sie, reden Sie nicht mit X. Dass Sie sich mit X unterhalten, gefällt mir nicht. Und ich bitte Sie, das zu akzeptieren. Niemand ist bereit, mit X zu sprechen. X redet Blödsinn und niemand hat Verständnis. Sie begreifen nicht die Tragweiten der Konsequenzen.
Ich habe mich doch nicht unterhalten. Das kann man nicht Unterhaltung nennen.
Und kommen Sie nicht einfach auf mich zu, mit Ihrer aufgeregten Stimme, möchte ich nicht, dass Sie noch weitere Gespräche mit X führen.
Das ist in Ordnung. Es ist mir auch nicht wichtig.
Wann haben Sie mit X gesprochen?
Zwei Wochen wird es her sein.
X verfolgt seine eigenen Interessen. Sie durchblicken das nicht.
Über Interessen haben wir gar nicht geredet.
Das spielt keine Rolle. Ich möchte nicht, dass Sie mit X hinter meinem Rücken reden. In wiefern sich Andere hinter meinem Rücken äußern, geht Sie selbstverständlich nichts an. Dazu frage ich mich, was interessiert Sie das auf einmal, dass Sie mich hier auf offener Straße in die Enge treiben?
Sie besprechen sich mit X hinter meinem Rücken, stoßen mich vor den Kopf, mit der Tür ins Haus, aus allen Wolken und heiteren Himmeln!

Das Gespräch war ganz banal.
Wie hat es angefangen?
Es hat von selbst angefangen.
Das bitte merken Sie sich: Reden Sie nicht mit Ihrer lauten Stimme.
Ich war aufgeregt.
Dann bitte gehen Sie, und reflektieren Sie in sich hinein. Denken Sie darüber nach und überlegen Sie es sich gut.
Ich wende mich ab und meinen Gedanken zu.

Leben Sie wohl!

Built with Indexhibit