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Die Matrix

(Interview)

O.k.?
Ja, wie auch immer. Machen Sie. Legen Sie los.
Alles klar.
Und?
Es dauert schon einen Moment.
Ich bin gespannt.
Einen Augenblick Geduld bitte.
Allein, ich frage mich, wofür das gut sein soll.
Hallo, was ist das denn für ein Anspruch?
Was das bringen soll.
Muss denn alles etwas bringen?
Irgendeinen Sinn wird es doch haben.
Immer diese Suche nach Sinn. Darüber bin ich hinweg. Das habe ich schon lange hinter mir gelassen.
Immerhin ist es mit Schmerzen verbunden. Da darf man sich doch fragen, was das soll und warum man sich darauf einlässt.
Was genau werfen Sie mir vor?
Gar nichts, wirklich nichts. Ich frage mich einzig und allein, wofür das Ganze gut sein soll.
Bitte beruhigen Sie sich, sonst stören Sie das Ergebnis.
Das tut mir leid. Entschuldigung.
Es ist ja nicht schlimm.
Aber es stellt sich natürlich die Frage, worauf Sie hinauswollen mit dem Ergebnis.
Hinaus wollen?
Das ist doch vollkommen normal.
Wenn Sie gehen möchten, dann bitte gehen Sie.
Nein, worauf Sie hinauswollen. Ja, verstehen Sie denn nicht?
Ich habe den Eindruck, Sie verstehen nicht. Ein wenig müsste ich mich nämlich auch konzentrieren. Sonst könnte das bald gefährlich werden, auch für Sie. Ein Fehler würde auch Ihnen schaden. Was sage ich? Vor allem Ihnen. Vielleicht ist es Ihnen nicht bewusst, aber selbst ein kleiner Fehler hat enorme Auswirkungen. Auf Ihre Gesundheit, auf Ihr Leben. Es könnte sehr wohl sein, dass Sie den Raum nicht lebend verlassen.
Jetzt jagen Sie mir aber Angst ein.
Natürlich ist das übertrieben. Aber auf die leichte Schulter nehmen, sollten Sie es trotzdem nicht. Gedächtnisverlust, Sprachverlust, Bewusstseinsverlust, jede Art von Verlust. Alles kann man verlieren. Alles kann passieren. Das ist ganz klar.
Langsam wünschte ich, ich hätte mich nicht darauf eingelassen.
Warum das? Meinen Sie das ernst? Wie kommen Sie denn darauf, so etwas zu behaupten?
Ich fühle mich unwohl, gelinde gesagt.
Aber das liegt an Ihrer Persönlichkeit, nicht an der speziellen Situation.
Vielleicht haben Sie recht.
Entspannen Sie sich bitte. Es ist schwieriger als gedacht.
Warum schwierig? Ist das Blut?
Was?
Das da.
Das ist Tomatensaft.
Das glaube ich nicht.
Natürlich ist das Blut. Wir sind hier schließlich nicht in einer Kantine oder in einem Flugzeug. Sehe ich aus wie eine Stewardess?
Mir wird ganz schlecht.
Keine Angst, das ist nur mein Blut.
Ihr Blut?
Ich habe mich geschnitten. Sehen Sie mal, was Sie anrichten mit Ihrem ständigen Gerede. Wenn Sie so weitermachen, werde ich Sie absichtlich schneiden.
Das wagen Sie nicht.
Das wissen Sie nicht.
Das fände ich aber mehr als unverschämt.
Ist das mein Problem? Ich denke nicht.
Ich stelle mich Ihnen zur Verfügung, und Sie bedrohen mich? Ich fasse es nicht.
Das gehört alles dazu.
Zu was gehört das bitte dazu?
Zu was wohl? Zum Leben.
Dann will ich nicht mehr leben.
Nun sagen Sie doch so etwas nicht. So etwas sagt man nicht.
Ich sage, was ich will.
Das lässt sich ändern.
Was?
Das war nur ein Witz.
Sie haben Nerven!
Sie auch.
Bitte lassen Sie das, mir ist sowieso schon schlecht.
Es gibt die Zeit, sich gut zu fühlen. Und genauso gibt es die Zeit, sich schlecht zu fühlen.
Lassen Sie das jetzt, bitte.
Sie sind ziemlich verkrampft.
Sie möchte ich mal sehen in meiner Situation.
Ach was.
Was, ach was?
Seien Sie mal still. -
Wissen Sie, was mich am meisten wundert? Dass wir uns noch nie begegnet sind, im realen Leben

Wie meinen Sie das jetzt schon wieder?
So wie ich es sage.
Wir begegnen uns doch die ganze Zeit.
Können Sie denn beurteilen, was real ist. Können Sie Realität und Fiktion wirklich voneinander unterscheiden? Wo Sie doch gefangen sind in einem System.
Lassen Sie das bitte, Sie machen mir Angst.
Ich versuche nur, ein wenig die Situation aufzulockern. Es gefällt mir nicht, dass Sie sich unwohl fühlen.
Schön, aber mit so etwas jagen Sie mir noch mehr Angst ein.
Im Ernst?
Ihnen ist doch alles zuzutrauen.
Das ist doch erschreckend!
Was?
Halten Sie mich für verrückt?
So habe ich das nicht gemeint.
Wie haben Sie es dann gemeint?
Gar nicht, ich habe gar nichts gemeint.
Irgendwas haben Sie sich doch dabei gedacht. Jetzt sagen Sie schon, wie haben Sie das gemeint?
Ich weiß es nicht mehr.
Haben Sie gesagt, mir sei alles zuzutrauen?
Habe ich das gesagt?
Was meinen Sie denn damit? Was wollen Sie mir damit sagen?
Ich habe das nicht so gemeint. Konzentrieren Sie sich bitte. Sehen Sie nicht, da ist ja noch mehr Blut.
Von Ihnen lasse ich mich nicht beleidigen.
Ich habe Sie doch nicht beleidigt.
Wenn wir uns das nächste Mal treffen, im realen Leben, werde ich Sie keines Blickes würdigen. Das sage ich Ihnen aber.
Da, Sie sagen es ja wieder.
Was denn?
Egal. Wischen Sie bitte das Blut auf, das sieht widerlich aus. Und wie das riecht!
Ja, das mache ich gleich.
Sind wir fertig? Dann möchte ich jetzt gehen.
Warten Sie, ich mache noch ein Foto.
Warum das denn?
Es sieht gut aus.
Ich kann Ihnen sagen, ich werde froh sein, wenn ich endlich draußen bin.
Das verstehe ich sogar. Sie dürfen jetzt gehen.
Dann gehe ich jetzt.

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